Chalice

Chalice
chalice (hmp)

14.10.25

Vergeben bei Indifferenz

"Und vergib' uns unsere Schuld
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern..." :

Ach, wie ungenügend bleibt alles Beten,
so lange wir nicht vergeben können!

Doch wie vergibt man dem Menschen,
der weder stiehlt, noch Gewalt ausübt,
der einfach nur gleichgültig ist und bleibt?
Diese Gefühlsarmut ist ja kein eigentliches Übelwollen;
dieses setzte schließlich voraus, dass ein Gegenüber anerkannt würde,
der überlistet, bestohlen, geschädigt werden soll.

Wo aber Indifferenz wider den Anderen herrscht,
ein Gegenüber nicht wahrgenommen wird,
sondern nur der Wunsch besteht,
selbst wahrgenommen zu sein,
dort kann kaum von absichtsvollem Bösetun gesprochen werden.

Gleichwohl werden Schmerz und Leiden erzeugt -
in demjenigen, der sich als zurückgesetzt, nicht wahrgenommen erfährt.
Wie nun vergibt er?

*

Ein Trost gilt auch hier:

"Der Jünger muss sich damit begnügen, dass es ihm geht wie seinem Meister." (Mt 10,25)

Keinmal ist die Rede davon, dass die Jünger sich Jesus nahten,
IHN nach SEINEM Befinden zu befragen.
Im Gegenteil: Wo ER sie explizit um Wachbleiben bittet,
fallen sie - IHN im Stich lassend - in Schlummer (vgl. Mt 26,38).

Es ist menschlich, keiner von uns ist ausgenommen.
Es könnte, es wird jedem geschehen.

Das kann uns wieder etwas demütiger werden lassen,
kann dabei helfen, das selbst verfertigte Bild
der eigenen Treue / Hingabe etc. zu korrigieren.

Und so dürfen wir beten:

HERR, hilf mir, meine Sünden klarer zu sehen;
eindeutig zu erkennen, wo ich in Unwissenheit lebe,
wann gegen DEINEN Willen handle,
wo ich mich selbst überhebe und damit DEINER Gnade entziehe!

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