Chalice

Chalice
chalice (hmp)

21.10.25

im Herzen bewegen

Wir leben in einer Zeit, da jeder Mensch vermeint, genau Bescheid zu wissen. Beim Zuhören der Aussagen meiner Nächsten gewinne ich den Eindruck, es gäbe kein zu Ergründendes mehr, nichts, demgegenüber man sprachlos, das des Staunens wert wäre. Ein/e jede/r weiß, nach eigenem Ermessen, absolut zutreffend Auskunft zu geben über das Dasein, das Weltgeschehen, sogar darüber, was das Beste für den Gesprächspartner sei.

Jesus Christus warnte bekanntlich schon SEINE Jünger: "Viele falsche Propheten werden auftreten und sie werden viele irreführen." (Mt 24,11; par Mk 13,5 ff.) Die Warnung trifft heute so gut wie seinerzeit.

Vier Jahre lang waren mir - so unaufgefordert wie unerwünscht - Briefe und Emails gesandt worden, von einem oberflächlich bekannten Menschen, der sich irrtumslos hielt in seinen Rat-Schlägen, was ich zu tun, ferner zu unterlassen hätte. Für jede Lebenslage hatte er eine Belehrung parat, formulierte diese unmissverständlich in Imperativen. Mein mehrmals entgegnetes "Bitte nicht!" prallte ungehört an ihm ab. Filterregeln blieben erfolglos: Eine neue Emailadresse war bald generiert, so dass sein Alter Ego die Aufklärungsarbeit fortsetzen, sie überdies mit Beleidigungen, Schimpf- und Schmähreden verschiedener Couleur garnieren konnte. Es war ihm unerträglich, dass ich mich seiner Einflussnahme entzog.

Viel zu lange suchte ich, dessen Verhalten zu verstehen; prüfte, ob seine Vorwürfe gar begründet wären, erwog, ob ich möglicherweise nur überempfindlich auf die Wortwahl reagierte; betete ohne Unterlass für das Seelenheil dieses Glaubensbruders aus der eigenen Gemeinde.

Allein, der innere Frieden blieb größtenteils gestört. Insbesondere wenn die nächste Belehrung: "Du musst...!; Tu dies...!; Lass das bleiben...!" im Postfach einging, war wieder eine Weile lang die Tiefe meines Meditierens unterminiert.

Schließlich aber lenkte der Heilige Geist meine Betrachtung auf Lukas 2, Verse 50, 51b & 19: "Doch sie verstanden das Wort nicht, das er zu ihnen gesagt hatte. [...] Seine Mutter bewahrte all die Worte in ihrem Herzen. & Maria aber bewahrte alle diese Worte und erwog sie in ihrem Herzen."

Was sich meinem rationalen Verständnis entzieht, bleibt als unaufgelöste Schwere in meinem Innern. Allzu nahe liegt das wiederholt einsetzende "Warum?". Es zieht mich vom Gebet meines Herzens ab, versklavt mich. Die Folge sind Voreingenommenheit, Abhängigkeit von Launen; Befangen-, somit Blindheit für die Hilferufe meiner Nächsten.

Erst indem ich alles, was mir unverständlich bleibt, sowie alle Menschen, die mich ungerecht behandeln, in mein Herz aufnehme, vermag ich vom Drang, 'Erklärung zu finden', vom Bedürfnis, das eigene Recht vertreten zu haben abzulassen. Ich trage sie in meinem Herzen, worinnen - darauf vertraue ich fest - GOTT wohnt; nunmehr bin ich frei vom Erwehren dieser Belästigungen, frei für den hingebungsvollen Dienst. Die Störenfriede werden mir erneut zu Nächsten; hinwiederum kann ich zu einer solchen ihnen werden.

Dem inflationären Bescheidwissen meiner Umgebung begegne ich seitdem mit Gelassenheit. Dank sei GOTT, unserem HERRN.

*

Die Beschreibung der Umstände in solcher Ausführlichkeit geschah, weil ich hoffe, dass diese Anregung hilfreich sei, Euch Geschwistern-im-HERRN, die Ihr womöglich ähnliche Belästigungen zu ertragen habt. Vor übelgesinnten Menschen ist niemand gefeit, es gibt ihrer leider allerorten.

Indem man ihnen sein Herz öffnet, anstatt sie und ihr Handeln verstehen zu wollen; indem man diesen - die gleichfalls Leib Christi sind - also mit Liebe begegnet, wird es ein Leichtes, die durch sie erfahrene Belästigung zu leiden. Wer will es wissen? Am Ende sind sie von GOTT gesandte Bewährungsprobe, 'Einübung ins Vergeben-Können', wie ich es andernorts zu nennen pflegte. Fürbitte gerade für solche Störenfriede ist überaus wichtig!

Sehr wahrscheinlich unterschätzen sie unseres HERRN und Erlösers Warnung: "Wer einem von diesen Kleinen, die an mich glauben, Ärgernis gibt, für den wäre es besser, wenn ihm ein Mühlstein um den Hals gehängt und er in der Tiefe des Meeres versenkt würde! [...] wehe dem Menschen, durch den das Ärgernis kommt!" (Mt 18,6.7b)
Dass sie Ärgernis sind, liegt auf der Hand, denn: Wer ohne Unterlass beten und sein Herz GOTT hinhalten möchte, jedoch unverschuldet Zielscheibe kontinuierlicher Anfeindung, verbaler Angriffe ist, dessen Meditation und Lobpreis sind unterbrochen, da er ins Grübeln gerät. Ferner wird er durch den steten Tropfen auf ihn gegossenen Gifts anfällig für die Machenschaften des Versuchers, der just darauf wartet, sich auf ein geschwächtes Opfer stürzen zu können. Das zerriebene, vergiftete "Kleine" fällt allzu bald dem Zorn anheim, sein Herz gerät zur Mördergrube... Wir Menschenkinder sind schwacher Natur!

Verantwortung für einen solchen Verlauf trägt der Schmähredende. Daher Jesu Warnung. Daher auch die Notwendigkeit der Fürbitte - denn unseres himmlischen Vaters Wunsch ist, die ganze Schöpfung zur Vollendung zu führen; somit auch diejenigen, die Ärgernis verursachen.

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