Chalice

Chalice
chalice (hmp)

30.11.25

Gebet ist keine Leistung

Leistungsdenken, kausale Logik, Erwartungshaltung stehen auf der einen, das Gebet hingegen auf der - weit entfernt liegenden - anderen Seite. Sie sollten unvermengt, voneinander unbeeinflusst bleiben. Höchstens, dass die mit der Zeit an Innigkeit wachsende Gebetshaltung einstmals dazu führe, dass eine Ausrichtung auf Leistung, das Streben nach 'Besser-und-Mehr', abgebaut werden. Letzteres ist mit authentischer Gebetshaltung unvereinbar. Es kommt indessen schnell dazu:

Jemand trägt mir seine Gebetsbitten an, die ich aufnehme, um fortan stellvertretend, jenen unterstützend zu beten. Tags darauf, oder nur eine kurze Weile später, erhalte ich die Rückmeldung: "Dein Gebet hat gewirkt; alles trat wie gewünscht ein!"

Das weise ich entschieden von mir! Ich bitte unseren himmlischen Vater stets darum, dass ER die mir anvertrauten Personen segnen, ihnen SEINE Gnade schenken möge; niemals um konkrete Einzelheiten, die zu tun seien, die ER bewirken solle. Hüten wir uns davor, unseren Vater zum Erfüller unserer persönlichen, menschlichen Wünsche zu degradieren! Wird GOTT auf etwas der menschlichen Erwartung Entsprechendes reduziert, heißt das IHN zum Götzen zu machen. Wohl kann es eintreten, dass SEIN Wille sich mit dem deckt, was konkret vom Bittsteller gewünscht wurde. Es ist immerhin möglich. Genauso aber auch dessen Gegenteil. Bedeutet eine nicht eingetretene konkret formulierte Bitte, dass GOTT SEINE Liebe vorenthält? Mitnichten! Heil für SEIN Kind könnte auch gerade darin liegen, dass diese bestimmte Situation nicht zum 'Guten sich wendet', sondern dem Betroffenen eine Bewährungsprobe geschenkt werden soll. 

Mir aber birgt diese Rückmeldung über das Eintreten des Ersehnten einige Gefahr: Hochmut, Eitelkeit, ein "Wenn-dann"-Denken; regelrechter Leistungsdruck: 'Es gibt dieses Bild von mir, das erwartungsvollste Vertrauen: kommt es nun nicht zum Gewünschten - hält mich der Bittsteller dann für unzuverlässig?'

Beten wir mit- und füreinander, doch hüten wir uns davor, dem anderen zuviel 'Einflusskraft' zu unterstellen.

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