Mit jedem Tag vermehrt mein Staunen sich: Werden wir jemals in letztgültiger Tiefe die Bedeutung der Menschwerdung ermessen können?
Die von jeder Generation neu aufgeworfene Diskussion der Théodicée, die Frage nach GOTTES Allmacht und Güte trotz respektive angesichts der Gegenteiliges bezeugenden Erscheinungen: Brutalität, Leiden, Verzweiflung, Elend... Mir ist, als biete Jesus Christus den unanfechtbaren Beweis für des himmlischen Vaters Allmacht, SEINE Güte; weil und indem ER sich selbst bietet.
Zum einen lohnt sich ein Hinblicken auf die Gleichzeitigkeit von Jesu Verkündigung: "Das Reich Gottes ist mitten unter euch." (Lk 17,21b) und von SEINEM Wissen, ja offenen Mitteilen, dass ER "in die Hände sündiger Menschen ausgeliefert" (Lk 24,7) werden und sterben müsse. Sollte GOTTES Allmacht, SEIN realiter bestehendes Reich in irgendeiner Weise dadurch infrage gestellt oder beeinträchtigt sein, dass SEINE Schöpfung, der Mensch, grausam um sein Leben, ja zu Tode gebracht wird, so ließe ER es niemals zu einem Sterben Jesu - SEINES geliebten, "auserwählten Sohnes" (vgl. Lk 9,35) immerhin - kommen! Genauso wenig wie zu einer Enthauptung Johannes des Täufers, denn über diesen heißt es: "Das Kind [...] wurde stark im Geist." (Lk 1,80)
Für Jesus steht die von Menschen verübte Grausamkeit in keinem Widerspruch zu des Vaters Allmacht und Güte; ER kann weiterhin verkündigen, dass unseres himmlischen Vaters Reich "nahe", ja "mitten unter uns" ist. Wenn es zu Festnahme, Golgotha und Kreuzigung kommt, dann weil GOTT es so will ("Dein Wille soll geschehen"; Lk 22,42). Michnichten will GOTT Jesu Leiden, als Selbstzweck! Es muss um etwas Höheres gehen, was sich durch die Auferstehung Jesu hernach auch bestätigt. Nein, nicht das Leiden war Ziel des Wollens GOTTES, SEIN Wille übersteigt schlichtweg unser menschliches Verstehen. Wäre es anders, wo bliebe der Wesensunterschied zwischen menschlichem und göttlichem Erkennen? Doch worin besteht nun GOTTES Güte?
Sie ist in und durch Jesus Christus!
ER widersetzt sich nicht. ER antwortet den (vermeintlich) Mächtigen SEINER Zeit mit Ohnmacht. Indem also GOTT die Ohn-Macht wählt, bezeugt ER SEINE Güte.
Nun kann man entgegnen: 'Meinetwegen mag dies stimmen; all das kann ich annehmen und glauben. Doch es betrifft mich nicht direkt. Was bringen mir all die theologischen Betrachtungen über anno dazumal? Das Leiden am Verlust meines an Krebs erkrankten Kindes, meiner durch den Unfall ums Leben gekommenen Angehörigen; das Leiden an meiner eigenen Gebrechlichkeit und ungerechten Lage: Wo ist darin die Güte eines allmächtigen Gottes zu finden?'
Fürwahr, ein gewichtiger Einwand! Allerdings solange nur, als der Mensch sich des Erfahrens von Jesu Gegenwärtigsein verschließt: ER ist ja heute genauso lebendig, unter, zwischen und mit uns, wie ER um das Jahr 30 lebendig, unter, zwischen und mit SEINEN Jüngern war.
Denn ER ist auferstanden und lebt. Ebenso wird es uns, sowie allen Menschen gehen, die "aus dem Wasser und dem Geist" (Joh 3,5) wiedergeboren sind: Wir werden auferstehen und leben.
Jesus Christus zieht das Dienen dem Herrschen vor; die Demut der Selbstüberhebung; die absolute Hingabe, Ohnmacht der Monarchenherrlichkeit und -gewaltausübung.
Die gewählte Ohnmacht GOTTES setzt die vermeinte Macht des Bösen, des Todes, des Nichts außer Kraft. Damit aber ist das Faktum, dass GOTT Mensch werden wollte, damit ist Jesus Christus greif- und erlebbares Zeugnis für GOTTES Güte. GOTT, der Mensch werden will, der Mensch wurde, gibt sich in Ohn-Macht preis, liebt SEINE Feinde bis zur Selbsthingabe, in größter Sanftmut, Milde, Vergebung.
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